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Prozessauftakt im Wasunger Missbrauchsprozess

C MKD [thüringen]

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Prozessauftakt im Wasunger Missbrauchsprozess

Prozessbericht – Tag 1

Meiningen – Vor der 2. Strafkammer des Landgerichtes Meiningen begann heute (09.07.19) die Hauptverhandlung gegen einen 35jährigen Angeklagten aus Wasungen, dem die Staatsanwaltschaft schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in zwei Fällen und Weitergabe und Besitz von kinderpornographischen Schriften in über 100 Fällen vorwirft.

Der Angeklagte, Sebastian L., soll im Zeitraum 2015 bis 2018 in zwei Fällen sexuelle Handlungen an der im Jahr 2011 geborenen Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin vorgenommen haben.

Darüber hinaus soll er in den Jahren 2013 bis 2017 im Internet unter einem  Pseudonym in einer Vielzahl von Fällen Bilder und Videos heruntergeladen und teilweise auch weitergeleitet haben, die kinderpornographischen Inhalt hatten.

Der etwas korpulente Angeklagte, im weißen Hemd und schwarzer Hose verdeckt sich mit einem Basecap das Gesicht. Er sitzt abgewandt von den Prozessbeobachtern, meidet jeglichen Blickkontakt.

Es klang unglaublich was die Staatsanwältin beim verlesen der Anklageschrift aufzählte. Ganze 20 Minuten brauchte sie dafür, denn die Vorwürfe gegen den 35-jährigen Wasunger sind immens.

Der Angeklagte soll die damals vierjährige Tochter seiner Lebensgefährtin in zwei Fällen sexuell missbraucht haben. In einem Fall soll er einen Finger in ihren Po eingeführt haben.

Sebastian L., selbständiger Handelsvertreter, sieht sich nicht in der Lage selbst zu den Vorhaltungen Stellung zu nehmen. Dies übernimmt seine Verteidigerin die eine Stellungnahme des Angeklagten verlas. Darin gesteht er die Taten. Weiter lässt er verlesen, er schäme sich sehr und hoffe seine Ex-Lebensgefährtin und deren Tochter haben inzwischen Hilfe gefunden. Er selbst habe sich um einen Therapieplatz bemüht. Dazu habe er, auf anraten seiner Verteidigerin, ein telefonisches Aufnahmegespräch mit einem Bamberger Institut geführt.

Anders als sein erster Verteidiger, welcher nur Tage vor dem Prozess sein Mandat niederlegte, rät ihm seine neue Verteidigerin offen mit seinen Taten umzugehen und „vom ersten Tag an etwas zu unternehmen“.

Als Sebastian L. nach einer schweren Operation eine Rehaklinik besucht, nutzt er das WLAN-Netz der Klinik um seiner Neigung nachzugehen. Das bleibt in der Klinik nicht unbemerkt. Die IP Adresse verrät den User. Die Klinik erstattet Anzeige. Nahezu zeitgleich bekommt das Bundeskriminalamt Post aus den USA. Dort hatte eine Plattform zum aufspüren kinderpornografischer Inhalte etwas entdeckt. Die Spur führt zum Angeklagten.

Die Wohnung des Angeklagten wird insgesamt zweimal durchsucht, mehrere Handys, LapTop´s und Festplatten beschlagnahmt. Darauf werden die Fahnder später mehrere tausend Bilder und Video´s mit unfassbarem Inhalt finden.

Auch die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten tritt, in Begleitung einer psychosozialen Prozessbegleiterin, in den Zeugenstuhl. Ihr ist die Aufregung deutlich anzumerken. Sie meidet den Blickkontakt zu Sebastian L. Seine Bitte sich an sie wenden zu dürfen lehnt sie ab. Als sie mit den Ermittlungsergebnissen der Kripo konfrontiert wurde, konnte sie es nicht glauben. Später, zu Hause, habe sich dann die Kleine anvertraut. Der Angeklagte habe eigentlich ein gutes Verhältnis zu dem Kind gehabt. Aber irgendwann war es anders, erzählt sie.

„Kinderpornografie ist ein weites Feld“ sagt die vorsitzende Richterin, „Das reicht von sexuell motivierten Handlungen bis hin zu unfassbarem Greuel…“. Später im Prozess erklärt ein Beamter des Landeskriminalamtes (Sonderermittler Cybercrime) die Funde bei Herrn L. „decken das komplette Spektrum ab“.

Am nächsten Prozesstag soll eine Auswahl dieses ungeheuren Fundes gezeigt und Sachverständige gehört werden.

 

„Wenn man nicht rückgängig machen kann was passiert ist, dann sollte man soviel Anstand besitzen eine 8-jährige nicht vor Gericht erscheinen zu lassen!“ sagte die Richterin in Richtung des Angeklagten. Mit Sebastian L. Geständnis blieb der heute 8-jährigen – die ihn Papa nannte – wenigstens der Gang in den Zeugenstuhl erspart.

 

Fortsetzungstermin ist Dienstag, den 16.07.2019, 9.00 Uhr, Saal A 145.

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