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Letzter Prozesstag im Wasunger Missbrauchsprozess – Das Urteil

C MKD [thüringen]

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Letzter Prozesstag im Wasunger Missbrauchsprozess – Das Urteil

Meiningen – Es ist kurz vor Neun.  Der Angeklagte Sebastian L. wird in Handschellen von einem Justizbeamten in den Verhandlungssaal A145 geführt.

Der 35-jährige Wasunger tritt an seinem wahrscheinlich letzten Prozesstag, anders als an den vorangegangenen Tagen, nicht im weißem Hemd und schwarzer Hose, sondern in einem zerknitterten weißem T-Shirt und Jeans vor das Gericht.

Er wirkt „angeschlagen“. Für ihn geht es heute um sehr viel. Das er ohne Freiheitsstrafe nicht davon kommt, ist sicher. Die Frage ist für wie lange…

 

Seit dem zweiten Prozesstag, dem Tag an dem er sein Geständnis widerrief und ihn die Staatsanwältin im Gerichtssaal vorläufig festnehmen lies, befindet sich Sebastian L. in Untersuchungshaft.

 

Foto: Staatsanwältin Konrad-Weber lässt den Angeklagten noch im Gerichtssaal festnehmen. 
Bild: MKD [thüringen]

 

Auch heute ist das öffentliche Interesse immens, viele wollen hören und sehen, wie der Prozess ausgeht.

Die Welle von Hass und Wut, die dieser Fall in der Kleinstadt auslöste und sich sogar bis auf die Familie des Angeklagten erstreckte, sei – so die Verteidigerin – etwas abgeebbt.

 

 

Foto: Im Heimatort des Angeklagten wurden Schilder mit einer eindeutigen Botschaft 
aufgehangen. MKD [thüringen]

 

Die Beweisaufnahme ist geschlossen. Nun stehen die Plädoyers an.

Als erstes ist (standesgemäß) die Staatsanwaltschaft an der Reihe. Staatsanwältin Konrad-Weber zählt noch einmal auf, was dem Angeklagten zur Last gelegt wird.

Besonders das Ausnutzen des Vertrauensverhältnisses zwischen dem Angeklagten und der damals Vierjährigen, die noch lange unter dem Missbrauch zu leiden habe, das abgelegte und später widerrufene Geständnis, aber auch die Schwere der Taten seien dem Täter strafverschärfend zuzurechnen.

Das er bislang noch nicht straffällig in Erscheinung getreten ist und teilweise geständig war, sprechen für ihn. Ebenso die Aussicht auf eine Therapie die er in der Haft absolvieren könnte.

 

Vier Jahre Haft, sofort, fordert die Staatsanwaltschaft!

 

Die Strafe setzt sich aus zwei Straftaten zusammen.

Zum einen wäre da der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern, zweimal soll sich Sebastian L.  an der damals vierjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen haben.

Zum anderen geht es um den Besitz und die Weitergabe von kinderpornographischen Schriften. Mehr als 13.000 sollen es gewesen sein.

Alleine die gefundenen Videos hatten eine Länge von mehr als 23 Stunden, sagte ein Gutachter vor Gericht. Er hatte die beschlagnahmten Medien untersucht.

Von Nacktfotos bis hin zu schwerem sexuellen Missbrauch von Babys sei „alles dabei“, so der IT Gutachter bei seiner Aussage am zweiten Prozesstag.

 

Die Vertreterin der Nebenklage beginnt nun ihr Plädoyer. Die Meininger Rechtsanwältin, welche die Mutter und das Mädchen im Prozess vertritt, zeigt nochmals deutlich auf, welche Konsequenzen die Taten für das Opfer hatten. Orts- und Schulwechsel, Aufenthalt im Frauenhaus, der psychische Druck…

„Es war der Mann den sie Papa nannte, der Mann der ihr das alles angetan hatte.“ sagte sie. „Es war auch der Mann, der ihr durch das widerrufen des Geständnisses die Anhörung vor Gericht nicht ersparte.“

Das umsichtige Handeln der Strafkammer im Zuge der Anhörung des Mädchens habe, so die Anwältin, weiteren Schaden fernhalten können.

Das Gericht hatte, durch das „hin und her“ des Angeklagten, keine andere Wahl als  „alle Register zu ziehen“.

Und so musste das Mädchen gehört werden. Und auch ein psychiatrischer Gutachter wurde beauftragt, alleine um Rechtssicherheit zu erlangen und um einer möglichen Revision standhalten zu können.

Nur so könnte dem Mädchen  ein nochmaliges Auftreten vor einem Gericht erspart bleiben, betonte die Richterin am zweiten Prozesstag.

 

Jetzt, wo der Prozess hoffentlich zu Ende sei, könne „die kleine Familie aufatmen, wieder in die Zukunft blicken und all das Geschehene zurücklassen.“ so ihre Anwältin.

Letztendlich schließt sich die Vertreterin der Nebenklage dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Vier Jahre Haft.

 

Sebastian L. verfolgt die Plädoyers regungslos, starrt auf den Tisch vor sich.

 

Das Plädoyer der Verteidigung sucht nach Gründen die Strafe möglichst milde zu Gunsten ihres Mandanten ausfallen zu lassen. Das ist vollkommen rechtens und deren Aufgabe.

Sie sieht vor allem in den öffentlichen Angriffen und der medialen Berichterstattung auf und über ihren Mandanten den Grund, weshalb dieser sich seinen Taten nicht wirklich stellen könne, sich nicht öffnen und mit der Aufarbeitung der Taten habe beginnen können.

Im Widerruf des Geständnisses sieht sie vielmehr den verzweifelten Versuch des Angeklagten seine Familie vor einer Welle aus Hass und Wut in seiner Heimatstadt entgegenzutreten. Sich öffnen und zu den Taten Stellung nehmen, könne er daher nur schwer.

Die Verteidigung hält zwei Jahre Haft für angemessen.

 

Das letzte Wort hat der Angeklagte.

Es tue ihm leid, aber er könne es nicht ungeschehen machen, beteuert der Angeklagte. Ob so echte Reue aussieht, mag jeder für sich selbst beantworten.

 

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Um 10.30 Uhr soll das Urteil gesprochen werden.

 

„Im Namen des Volkes“, beginnt die Richterin ihren Urteilsspruch. Vier Jahre Haft, wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern sowie dem Besitz und Verbreitens von Kinderpornographie, so das Urteil.

Regungslos nimmt der Angeklagte das Urteil zur Kenntnis.

 

In ihrer Urteilsbegründung wendet sich die vorsitzende Richterin an den Angeklagten. „Schauen sie nicht auf die Körper! Schauen SIE in die Augen der Kinder!

Das Elend welches sie da erblicken, DAS ist das Furchtbare!“ gibt sie ihm mit auf den Weg ins Gefängnis, wo er nun eine Therapie beginnen möchte.

 

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Eine Woche hat die Verteidigung Zeit Widerspruch gegen das Urteil einzulegen. Sie gehe davon aus, dass das Urteil rechtskräftig werden würde, sagte die Verteidigerin nach dem Prozess.

 

Alles zum Prozess finden Sie hier:

 

Prozesstag 1:  https://www.inselsberg-online.de/wp-admin/post.php?post=2832&action=edit

Prozesstag 1 – Video: https://youtu.be/bEn0YlQvhUs

Prozesstag 2:  https://www.inselsberg-online.de/wp-admin/post.php?post=2916&action=edit

Prozesstag 3:  https://www.inselsberg-online.de/wp-admin/post.php?post=3312&action=edit

 

 

 

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